European Remembrance - Symposium of European Institutions dealing with 20th Century History

2015 Wien

Die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg 70 Jahre danach
Sieger, Besiegte, Täter, Opfer, Zuschauer
11.-13. Mai 2015, Wien

Diplomatische Akademie Wien

Sieger, Besiegte, Täter, Opfer und Zuschauer sind alles Begriffe, deren Sinn sich in den Nachkriegsjahrzehnten verändert hat. Welche Bedeutung hatte es für die einzelnen europäischen Länder, den Krieg zu gewinnen oder zu verlieren? Wenn wir durch das Prisma der Konferenz von Jalta schauen: Wen können wir als Sieger und wen als Verlierer des Zweiten Weltkriegs sehen? Diese Frage hat eine besondere Bedeutung für die Länder, die nach ihrer Befreiung von der verbrecherischen nationalsozialistischen Besatzung sofort unter die Doktrin des brutalen kommunistischen Regimes gerieten.

In den vergangenen Jahren lag ein Akzent der Geschichtsschreibung in Europa auf der Erforschung und Dokumentation von Erfahrungen der Überlebenden des Zweiten Weltkriegs. Aufgrund dieser neuen Perspektive, die sich auf die individuellen Erinnerungen und Erfahrungen bezieht, verlangen die Begriffe Sieger, Besiegte, Täter, Opfer und Zuschauer eine Neudefinition hinsichtlich der Besatzungszeit und der ersten Nachkriegsjahre. Wie soll an die Täter erinnert werden, die später zu Opfern wurden? Wie an die Opfer, die in einem anderen Kontext zu Tätern wurden? Wie beurteilen wir die indifferenten Zeugen, die – in heutigen Kategorien – aufgrund ihrer Passivität gegenüber den vor ihren Augen begangenen Verbrechen nicht ohne Schuld sind? Solche Fragen beschäftigen uns alle und trennen mitunter ganze Völker. Wir sind davon überzeugt, dass wir Antworten nur in einer offenen und objektiven Diskussion über diese und andere ernste Themen finden werden, die während des Jahrestages des Kriegsendes hervortreten können.

Der Holocaust spielt in der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg eine Schlüsselrolle. Er bestimmt die Art unserer Erinnerung nicht nur an die Geschichte der Juden, sondern auch an die Geschichte Europas – vor allem Mittel- und Osteuropas, wo Hitlerdeutschland die meisten der europäischen Juden ermordet hat. Trotz gemeinsamer historischer Erfahrungen haben die einzelnen Länder ihre eigenen, oft sehr unterschiedlichen historischen Narrative entwickelt. Müssen die Erinnerungen an den Holocaust und an das Kriegsschicksal der Völker zwangsläufig unterschiedlich verlaufen, so dass keine gemeinsame Geschichte geschrieben werden kann? Warum ist dies so? Welche Prozesse spielen eine Rolle bei der Gestaltung unterschiedliche Geschichtsnarrative? Mit der geringer werdenden Zahl von Zeitzeugen wird die Suche nach Antworten auf diese Fragen immer drängender.

Wir sehen, dass in den europäischen Ländern jeweils eigene Narrative über Krieg und Besatzung existieren. Vor diesem Hintergrund möchte das Symposium zu einem Forum der gesamteuropäischen Debatte über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg werden - im Geiste eines konstruktiven Dialogs und der Versöhnung zwischen den Völkern. Es möchte ein Forum sein, auf dem unterschiedliche, aber gleich wichtige nationale und lokale historische Narrative präsentiert werden; deshalb kommen die Tagungsteilnehmer aus den verschiedenen Regionen und Ländern Ost- und Westeuropas, sie vertreten unterschiedliche Fachgebiete und Berufe. Es sind Historiker, Sozialwissenschaftler, Museumskuratoren, Ausstellungskuratoren, Schriftsteller und Andere.

Organisatoren

in Kooperation mit

Partner

Diplomatische Akademie Wien

Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Ungarische Akademie der Wissenschaften

Institut der Wissenschaften vom Menschen